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Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes

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Grabstätte für Sternenkinder

 

„Grabstätte für Sternenkinder“

Ort der Trauer und des Gedenkens


„Ich bin nicht tot, ich wechsle nur die Räume. Ich leb in Euch und geh durch Eure Träume“ Worte eines Zitats von Michelangelo Buonarroti über Sterben und Vergänglichkeit stehen auf dem Gedenkstein inmitten eines neu angelegten Gräberfeldes. Dies ist der Ort auf dem Waldfriedhof in Merzig, an dem künftig Menschen trauern können, die sich auf ein Kind freuten und es nicht bekommen konnten, weil die Mutter eine Fehlgeburt hatte. Merzig gibt tot Geborenen nun einen Platz.

Ab 500 Gramm ist ein totgeborenes Kind ein Mensch. 499 Gramm sind eine Fehlgeburt. So lautet die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO für Geburten. Ein totgeborenes Kind, das 500 Gramm wiegt, bekommt eine Eintragung ins Geburtenbuch mit seinen Eltern, es hat Großeltern, einen Namen, eine Adresse und ein Grab. Der leichtere Fötus verschwindet, als hätte es ihn nie gegeben. Für den Umgang mit ihm gilt nur ein Anspruch: Die Entsorgung muss "hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend" erfolgen.
In Deutschland werden pro Jahr etwa 2500 Kinder tot geboren, weil entweder die Mutter oder die Leibesfrucht erkrankte, weitere etwa 1500 sind leichter als 500 Gramm. Die Eltern haben sich auf ihr Kind gefreut, sie mussten eine Fehlgeburt verkraften, sie trauern und leiden natürlich auch dann, wenn das Kind nicht einmal ein Pfund wog.  

Der Ort der Stille, des Gedenkens und der Trauer auf dem Merziger Waldfriedhof entstand auf Initiative des Geburtshilflichen-Teams der Kliniken Merzig und wurde gemeinsam mit der Klinikseelsorge und der Stadt Merzig umgesetzt.
Der klinikinternen Projektgruppe ist es nun gelungen, die Kosten der Bestattung für tot geborene Kinder (Sternenkinder) erheblich zu minimieren. Das für die Klinik zuständige Institut für Pathologie am Klinikum Saarbrücken hat eine Möglichkeit geschaffen, Kinder, deren Beisetzung gewünscht wird, kostenfrei aufzubewahren. Das Bestattungsunternehmen Ursula Gantner aus Merzig-Schwemlingen hat sich  angeboten zukünftig die Beisetzungen kostenneutral zu begleiten.
Die „Stele“, finanziert durch Spenden der Katholischen Klinikseelsorge und des Fördervereins der Klinik, gestaltete die Künstlerin Gabriele Lembach gemeinsam mit der integrativen Therapiegruppe „Bildhauerei“ der Psychiatrischen Klinik Merzig und dem Steinbildhauermeister Michael Hau aus Beckingen. Inspiriert wurde die Künstlerin durch die Worte von Johann Wolfgang von Goethe:

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser:
vom Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder zur Erde muss es.
Ewig wechselnd.

“In diesen Zeilen von Johann Wolfgang von Goethe liegt schon fast die ganze Bedeutung der endgültigen Fassung des Gedenksteins für die zu früh verstorbenen Kinder“, erklärt die Künstlerin Gabriele Lembach .

Die geteilte Säule, ein indischer Sandstein, trägt den Regenbogen auf gefustem Floatglas. Beide symbolisieren die Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Die Taube mit Palmzweig ist im aufgeschmolzenen Farbkreis des Regenbogens sandgestrahlt und verkörpert so Seele und Heiligen Geist.
Auch der Text von Michelangelo Buonarotti auf beiden Seiten des Steins wurde tiefgestrahlt und soll allen trauernden Eltern ein wenig Trost schenken.

Am 22. Januar fand, gestaltet durch die Pfarrerin Sophia Csöff und Pastor Lothar Wilhelm, die Einsegnung des Gräberfeldes im Rahmen einer ökumenischen Feier auf dem Walfriedhof statt. Zu diesem Anlass wurde erstmals  das eigens hierfür von der Musiktherapeutin Ute Ripplinger komponierte Lied „Sternenkinder“ gesungen und musikalisch begleitet.

Der Termin für die erste Urnenbeisetzung wurde in diesem Jahr auf den 29. Mai festgesetzt und soll zukünftig immer Mittwochs vor Fronleichnam stattfinden.